Verdrängung hat viele Gesichter – Dokumentarfilm – jetzt frei im Netz

Verdrängung hat viele Gesichter – Dokumentarfilm – jetzt frei im Netz :

https://archive.org/details/verdraengung-hat-viele-gesichter-film

*„Verdrängung hat viele Gesichter“*
Berlin. Verwilderte Brachen am ehemaligen Mauerstreifen. Motorsägen und
Baukräne. Neubauten, Eigentumswohnungen und steigende Mieten. Ein
kleiner Kiez zwischen Ost und West. Zwischen versteckter Armut,
Wagenburg, AltmieterInnen und der neuen öko-konservativen Mittelschicht,
Hipstern und Architekt✳innen. Auf engstem Raum wird ein Kampf
ausgetragen. Von Gesicht zu Gesicht. Direkt. Ohne Blatt vor dem Mund.
Ängste artikulieren sich. Wut verschafft sich Ausdrucksformen. Ein Kampf
um Millimeter. Um den Kiez. Um Würde. Und um das eigene Leben.

/*„Displacement has many faces“*/
/Berlin. Feral wasteland at the former Berlin Wall. Chainsaws and
cranes. New buildings, condominiums and rising rents. A small
neighborhood between East and West. Between hidden poverty, laager,
people who are living there for years and the new alternative middle
class and architects. In a confined space, a battle is being fought.
From face to face. Direct. Without mince. Fears articulated. Anger gives
to forms of expression. A fight for millimeters. To the neighborhood. To
dignity. And for their own lives./

RBB KLARTEXT | Mi 03.02.2010 | 22:15
Terror gegen Nachbarn: Neubauprojekte im Visier von Linksextremen
https://archive.org/details/terror-gegen-nachbarn

Der Link zu dem RBB-Beitrag hat mit dem Film „Verdrängung hat viele
Gesichter“ zu tun. In der Kinofassung war dieser Beitrag enthalten, in
dem Link zum Film aber nicht. Die Gründe dafür werden im Film erklärt.

*HINTERGRUNDINFORMATIONEN ZUM FILM*
Der Film „Verdrängung hat viele Gesichter“ war das Projekt eines Teams,
welches alle Seiten eines Konfliktes in einem Kiez (Stadtteil) genauer
untersuchte.

Meist wird Gentrifizierung, also Verdrängung von Menschen, nur in
Zusammenhang mit großen Investoren, Spekulanten und städtischen
Interessen erwähnt. Die Aufwertung von Straßenzügen und Bezirken durch
sogenannte „Hipster“ und die Tourismusindustrie, mit der kreative Orte
vermarktet und ausgebeutet werden, sind ebenso augenfällig wie der
schamlose Ausbau der Eigentumswohnungen.

Doch im Windschatten dieser Entwicklung segeln noch ganz andere Akteure
erfolgreich mit. Sie fallen nur auf den ersten Blick weniger auf – die
ehemals aus einer alternativen oder gar einer linken Ecke kommenden
Menschen, die sich als aktiver Teil in die Verdrängungsprozesse einreihen.

Über fünf Jahre wurde ein Berliner Kiez als Mikrokosmos beobachtet –
hinsichtlich dieser im Windschatten Segelnden. Die örtliche
Stadtteilinitiative „Karla Pappel“ aus Alt-Treptow in Berlin hatte
diesen Widersprüchen zu einer Sichtbarkeit verholfen. Nur durch ihren
Widerstand gegen „Baugruppen“ oder das sogenannte „Bauherrenmodell“
wurden die Brüche auch benennbar.

Zwischen radikaler, an sozialen Fragen orientierter Praxis von
Stadtteilinitiativen und einer Mittelschicht, die in Eigentum
investieren kann und dies ohne Scham auch will, kam es zu
unüberbrückbaren Widersprüchen. Dass es sich bei den „Baugruppen“ um ein
Milieu handelt, das zum Teil den linken und alternativen Strukturen
entstammt, macht den Konflikt deshalb so spannend, weil hier die
Differenz einer Klassenzugehörigkeit erkennbar wird. Eine
Klassenauseinandersetzung, die große Teile der Linken schon lange nicht
mehr führt, weil sie sich als Gewinner✳innen längst von einem Kampf
gegen soziale Ungerechtigkeit verabschiedet haben.

Die Baugruppen und deren Architekt✳innen, die darin ein für sich
erfolgreiches Geschäftsmodell sehen, sind als Gewinner✳innen im Prozess
der Gentrifizierung einzuorden. Denn in dem aktuellen neoliberalen
Modell Berlins, das durch die Bank hinweg von allen Parteien getragen
wird, wird die Stadt für eine neue Schicht von Menschen sturmreif
geschossen, die es sich leisten können in der Stadt zu wohnen. Die Stadt
der Mieter✳innen soll einer Stadt der Eigentumswohnungen weichen. Die
Armen und deren Verdrängung sind kein Kollateralschaden, der in Kauf
genommenen Veränderung der Stadt, sondern aggressives Ergebnis dieses
gewaltsamen Verdrängungsinteresses. Das Recht ist auf Seiten der
Besitzenden und legitimiert bspw. die para-militärische Durchsetzung
einer Zwangsräumung 2013 in der Lausitzer Strasse mit 800 Polizisten.

Die Linke tut sich äußerst schwer, dies als „sozialen Krieg“ zu
erkennen. Das liegt an ihrer eigenen Korrumpiertheit. In dem Film kommen
die Baugruppenmitglieder ebenso zu Wort wie deren Gegner✳innen. Die
aggressiveren Akteure der Verdrängung haben es in der Regel nicht
gewagt, vor der Kamera zu sprechen. So erscheinen einige
Baugruppenbeiträge auf den ersten Blick fast schon nett. Doch auch deren
neoliberale, lockere Haltung ist in der Gegenüberstellung mit den von
Verdrängung Betroffenen entlarvend. Entlarvend ist auch, dass sich in
der TAZ kein✳e Redakteur✳in fand, den Film zusammen mit dem Team
öffentlich zu diskutieren. Dass das Interview in der TAZ (siehe unten)
veröffentlicht wurde, ist nur einem internen Fehler in der Redaktion zu
verdanken. Im Nachhinein bedauerten dort einige, den Artikel nicht
verhindert zu haben. Kritik an Baugruppen wird dort diffamiert und
bestenfalls unsichtbar gemacht.

Dieser Film gehört ins Netz. Zur freien Nutzung. Und auch wenn der Film
bereits nicht mehr in allen Facetten aktuell sein kann, weil bspw. der
Quadratmeterpreis für eine Eigentumswohnung durch die Baugruppen vor Ort
so hochgetrieben wurde, dass sie dort selbst nicht mehr in ihr privates
Glück investieren können, so sind die bauenden Horden doch nur in andere
Stadtteile unterwegs und konkurrieren dort mit anderen Investoren.

Unabhängig davon schärft der Film die anarchistische Auseinandersetzung
entlang der Klassenzugehörigkeiten. Und er hilft Baugruppen und deren
Mitglieder✳innen, die sich unter Ausnutzung ihrer finanziellen
Möglichkeiten für einen Platz neben vielen Anderen als
Kriegsgewinner✳innen im neoliberalen Verdrängungsprozess entschieden
haben, einzuordnen.

*Ihr könnt den Film herunterladen und weiterverbreiten. Mit der
Veröffentlichung des Films können Stadtteilinitiativen und andere
politische Gruppen den Film öffentlich und zu unkommerziellen Zwecken
zeigen. Dies ist erwünscht und wird ausdrücklich begrüßt. *

*LINKS*

* Film „Verdrängung hat viele Gesichter“
https://berlingentrification.wordpress.com
* Karla Pappel https://karlapappel.wordpress.com
* Zwangsräumung verhindern http:/berlin.zwangsraeumungverhindern.org

* Interview TAZ http://www.taz.de/!5031524
* Link zur Mieter✳innen-Beratung einer empfehlenswerten Anwältin, die
aus der Berliner Mieter Gemeinschaft aus politischen Gründen
rausgeschmissen wurde (Stand März 2019)
https://berlin.fau.org/termine/mieterberatung-der-fau-berlin-1

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